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Testbericht Yamaha Vmax

Yamaha Vmax mit atemberaubenden 200 PS

Peinlichkeit an der Tanke: Wrooaam, wrooaam, mit zwei kräftigen Zwischengasstößen mal eben die Blicke auf sich ziehen, dann locker ausrollen. Motor aus, Ständer raus. Mit dem abgezogenen Zündschlüssel in der Hand beginnt die Sucherei.

Ja, wo ist er bloß, der Tankdeckel? Dürfte an einem eigentlich recht übersichtlichen Motorrad doch kein Problem sein, das Ding zu finden – auch wenn er offensichtlich nicht mitten auf dem Blech thront, unter dem sich bei normalen Bikes das Benzinfass befindet. Hilflos stochert der Schlüssel zwischen Sitzbank und Schutzblech Löcher in die Luft. Hier irgendwo muss der Zugang zum Brennstofflager liegen. Der Tankstellen-Kassierer reckt mittlerweile schon neugierig den Hals. Das wird hier nichts mehr. Rückzug. Helm auf, Handschuhe an und ab.

Zum Glück reicht’s noch bis nach Hause. Dort wird erst einmal in aller Ruhe die Bedienungsanleitung gecheckt. Hat der Vmax-Neuling erst einmal den kleinen schwarzen Hebel gefunden, mit dem die Mini-Rückenlehne hochschnappt und den Stutzen freigibt, ist fast alles wie bei jedem anderen Motorrad.

Fast. Denn dieses wild röchelnde und brummende Monster, das da unten im Maschinenraum stampft und schiebt, das ist schon wieder ziemlich einzigartig. Ohne Übertreibung: Das Ding ist Kult – auch wenn die Japaner sonst eher in dem Ruf stehen, von anderen gesetzten Trends hinterherzulaufen. Bei der Vmax ist das anders. Sie ist das Original. Nach einer quälend langen Pause nun in Auflage Nummer zwei.

An ihrer Ausstrahlung hat sich nichts geändert. Vmax, der Name bleibt Programm. Qualmendes Gummi, aufsteigende Vorderräder, kreischende Motoren – das schwarze Ungetüm ist auf dem Dragstrip zu Hause. Dort, wo nur eins zählt: Beschleunigung. Darum drückt das Vierzylinder-V-Kraftwerk atemberaubende 200 Pferdestärken aufs Pflaster. Da tun die über 300 Kilo Lebendgewicht auch nicht mehr weh. Der einzige, der bremst, ist der Fahrer – wenn er die wilde Bestie nicht mehr halten kann.

Diese stählerne Adrenalinpumpe ist nichts für Grobmotoriker. Auch Kurvenwiesel sollten die Finger von ihr lassen. Eigentlich kann die Vmax nur geradeaus. Im Asphaltgeschlängel überkommt den Fahrer oft das Gefühl, er sei vorne mit Fahrradreifen und hinten auf einem Treckerpneu unterwegs. Ganz so verkehrt ist der Eindruck nicht. Am Ende der ewig langen Schwinge dreht sich eine 200er Walze. Die meisten Kleinwagen haben schmalere Reifen.

Die Gesamtlänge des Macho-Bikes – wo ist eigentlich die gelbe Warnleuchte für ein Fahrzeug mit Überlänge? – tut ihr Übriges, dass der Highway ganz klar die erste Straßenwahl für die Yamaha ist.

Im Vergleich zur Vorgängerin hat die aktuelle Vmax auch optisch deutlich zugelegt. Vorne schieben sich die barock gerundeten Nüstern für die Motorbeatmung weit in den Fahrtwind, hinten stehen die pummeligen Abgastüten wie Segelohren ab. Spartanisch das Cockpit – auf den ersten Blick. Ein großes Rundinstrument, in dem sich Drehzahl und Geschwindigkeit ablesen lassen. Obendran ein kleiner grell blinkender Pickel, der mehr „Achtung, gleich ist die Fleppe weg“-Warnlampe ist als Schaltblitz.

Unten auf der Tankattrappe, wo andere Motorräder den Stutzen haben, leuchtet orange ein Mäusekino im StarWars-Design und gibt einen Überblick über die Spritvorräte, Kilometerstände, Wassertemperatur und Gangwahl. Letztere interessiert überhaupt nicht, weil der fünfte und letzte Gang immer passt. Dafür ist die Tankanzeige besonders wichtig: Das Fässchen unten im Bike ist klein, der Durst groß. Da kann es schnell eng werden. Peinlichkeiten an der Tanke, die Zweite: Einmal musste der Testfahrer die letzten 20 Meter zur Supersäule schiebend zurücklegen.

Die Vmax hat glücklicherweise nicht nur schicke Wave-Bremsscheiben, sondern auch ein ABS. Ergonomisch gibt die böse Yamaha ebenfalls den Macho. Die Sitzbank drückt nach 150 Kilometern, langes Schnellfahren längt die Arme – Windschutz Fehlanzeige. Aber wie gesagt, die Vmax ist für den Dragstrip gebaut. Und der ist nur 402,336 Meter lang.