So hat der Genfer Automobilsalon noch nie ausgesehen: Wo man hinschaut, glitzern Ökoautos bekannter Marken im Rampenlicht. Viele davon kann man schon jetzt kaufen – oder zumindest in naher Zukunft. Elektro-Pionier Tesla aus den USA hat bereits 1500 Roadster mit E-Antrieb an den Kunden gebracht. Sie kommen auf eine Gesamtfahrstrecke von 20 Millionen Kilometern. In Genf steht nun eine Technologiestudie des kommenden Tesla-Modells S, die als Limousine für bis zu sieben Personen konstruiert ist. 2012 wird das Modell S die Produktpalette erweitern. Mit der größten Batterie soll der Viertürer 480 Kilometer schaffen.
Noch weiter kommen die „Zwillinge“ Opel Ampera und Chevrolet Volt, die in Genf gut ein halbes Jahr vor der Markteinführung in der endgültigen Version zu sehen sind und ein Preisschild tragen. Der Viersitzer mit Elektromotor und kleinem Benziner als Reichweitenverlängerer wird als Chevrolet mindestens 41 950, als Opel ab 42 900 Euro kosten. Bei den deutschen Herstellern sind es Studien à la VW Bulli und Flottentest-Fahrzeuge wie der Smart ED, der Active E auf Basis des 1er BMW oder der Mini E, die mit Strom fahren. Bei anderen Unternehmen parkt in Genf dagegen bereits eine ganze Reihe von Serienfahrzeugen an den plakativ aufgestellten Ladesäulen.
Renault zeigt gleich vier EMobile vom unkonventionellen Motorrad-Zwitter Twizzy bis zum Lieferwagen Kangoo an seinem Stand.
Nissan zeigt den Leaf, und bei Mitsubishi blickt alles auf den i-MiEV. Neu in der Elektroflotte sind die für den Feldversuch bereiten Modelle Toyota iQ und Honda Jazz sowie die umgerüsteten Ford-Modelle Transit Connect und Focus, die 2012 in den Handel kommen sollen. Reinen Elektroautos haftet noch eine gewisse Exotik an – wegen hoher Preise, geringer Verfügbarkeit und des Fahrgefühls.
Hybridfahrzeuge mit einer Kombi aus Elektro- und Benzinmotor sind bereits Standard. Toyota zeigt zwei neue Autos mit dem Antriebskonzept:
einen Familienvan und den Kleinwagen Yaris. Bei Audi gibt die Technologie im Geländewagen Q5 ihren Einstand, Peugeot kombiniert den E-Motor im 3008 erstmals mit einem Diesel.
Bei Mercedes und BMW kommt der Hybrid demnächst auch in E-Klasse und 5er. In der Luxusliga fährt der Porsche Panamera Hybrid vor: Obwohl 279 kW/380 PS stark und bis zu 270 km/h schnell, verbraucht die Sportlimousine nur 6,8 Liter (CO²-Ausstoß159 g/km), sagt Firmenchef Matthias Müller.
Grundsätzlich machen sich Autos zum Einstöpseln in die Steckdose so langsam breit: Plug-in-Technologie heißt das Zauberwort, mit dem die Entwickler die elektrische Reichweite auf alltagstaugliche Strecken steigern wollen.
Autos wie der für das Jahr 2012 avisierte Volvo V60 sollen bis zu 50 Kilometer ohne Verbrennerhilfe schaffen. Selbst die Brennstoffzelle, die den Strom für den Antrieb
an Bord schadstofffrei aus Wasserstoff produziert, wirkt mittlerweile zum Greifen nah. „Unsere Autos sind startklar“, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche und zeigt auf eine riesige Landkarte: Während er in Genf seine Rede hält, fährt eine Flotte entsprechender B-Klasse-Autos gerade in insgesamt 125 Tagen um die Welt und will damit die Einsatzreife der Technologie unter Beweis stellen.
Stand 12.03.2011