Alfa Spider: Schönheit zum Cruisen
Zugegeben, es gibt italienische Schönheiten mit mehr Kurven in der Außenansicht. Der Spider dagegen ist lang gestreckt und flach, seine Linien sind eher fließend als ausgestellt. Aber schmalbrüstig ist der Spider nun auch nicht. Im Gegenteil: An diesem Roadster ist alles dran. Gleich zwei Designbüros haben den offenen Zweisitzer entworfen; das Centro Stile Alfa Romeo hat sich Pininfarina ins Boot geholt. Über das Ergebnis der Zusammenarbeit, die sechste Generation des Spider, freuen sich die Alfa-Fans seit dem Winter. Bei Testfahrten zeigte der Turiner seine Schönheit auch im Münsterland. Und bewies daneben zumindest eingeschränkte Alltagstauglichkeit.
Das Sportcoupé Brera dient als Basis für den Roadster. Und ähnlich groß ist der Spider dann auch geraten. 4,39 Meter Länge und 1,83 Meter Breite sind respektabel für offene Zweisitzer. Das merkt der Spider-Fahrer schon beim Platznehmen. Die Sitze sind breit und wohlgeformt, geben Halt, stützen in flotter Kurvenfahrt, malträtieren aber des Fahrers Allerwertesten nicht. Nur in der Höhe (1,34 Meter) beschränkt sich der Spider – das muss der groß gewachsene Chauffeur mit der Rückenlehne ausgleichen.
Ansonsten bietet der Innenraum Freude pur: Gediegene Verarbeitung hochwertiger Materialien, klassische Instrumente, konsequent ausgerichtet auf den Fahrer, insgesamt eine Ausstattung, die Sport mit Eleganz und Komfort verbindet. Da spielt auch das klassische Stoffverdeck mit: Es frisst beim (automatischen) Zusammenklappen deutlich weniger Platz als ein Hardtop. In der Funktion ist es nicht spürbar schlechter: Der Alfa bleibt geschlossen durchaus ruhig. Was den Spider-Fahrer doppelt freut. Er genießt den ordentlichen Fahrkomfort im Alltag. Und den Kofferraum, der mit 253 Litern für seine Klasse ganz passabel ist. Der schluckt sogar Getränkekisten, was nicht jeder Roadster von sich behaupten kann.
Wermutstropfen: Auch bei geschlossenem Dach kann der dafür reservierte Platz nicht anderweitig genutzt werden. Von außen betrachtet, ist der Spider ohnehin eine Klasse für sich. Markante Front mit senkrechtem Kühlergrill, deutlicher Keil in der Seitenansicht, kraftvolles Heck mit vier verchromten Endrohren: Der Spider zeigt, dass hier ein Sportler heranrollt. Das fällt auf. Die richtige Kutsche für Menschen, die sich verstecken wollen, ist der Alfa sicher nicht. Auf jedem Parkplatz, an jeder Ampel, zieht er die Seh-Leute an.
Einzig der Motor hält nicht ganz das hohe Level. Der 2,2 Liter große Vierzylinder-Benziner, der im Testwagen steckte, bringt es zwar nominell auf durchaus respektable Werte, bleibt aber gefühlt leicht hinter den hochgeschraubten Erwartungen zurück. Seine 185 PS beschleunigen den Fronttriebler binnen 8,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Doch im gefragten Tempobereich zwischen 70 und 120, in dem man auf mehr oder minder kurviger Landstraße mal schnell überholen möchte, lässt er Drehmoment vermissen. 230 Newtonmeter sind nicht die Welt – und auch die liegen erst bei 4500 Umdrehungen an.
So lädt der Spider 2.2 eher zum Cruisen als zum Jagen – und unterfordert damit sein Fahrwerk und seine Assistenzsysteme. Dafür soll er sich nach Werksangaben im Schnitt mit 9,4 Litern Super auf 100 Kilometer zufrieden geben – im Test war er durstiger. Wer’s gerne wirklich sportlich haben möchte, muss zum knapp 8000 Euro teureren 3,2-Liter-Sechszylinder greifen. Oder – ein Novum bei Alfa – auf den Diesel warten, der dann das gefragte Drehmoment mitbringen wird.
Alfa Romeo Spider 2.2, Hubraum ccm: 2198, Zylinder: 4, Leistung kw/PS: 136/185, Drehmom. Nm: 230, Tempo km/h: 222, Beschleun. 0 - 100: 8,8, Kraftstoffart: Super, Verbrauch l/100 km: 9,4, Kohlendioxid g/km: 221, Schadstoffklasse: Euro 4, Kofferraum l:253, Vers.. HP/VK/TK: 19/21/22, Preis Euro: 34 300, Motorleistung: Ordentlich. Allerdings überzeugen die Fahreindrücke nicht so wie die technischen Daten in der Liste. Dem kleinen Benzinmotor fehlt insbesondere im unteren Drehzahlbereich etwas Spritzigkeit. Raumangebot: Die Sitzverhältnisse sind sportlich, ohne unbequem zu werden. Der Kofferraum kann sich mit 253 Litern im Klassenvergleich sehr gut sehen lassen. Fahrverhalten: Überzeugend. Die Abstimmung des Spider vermittelt einen blendenden Fahrbahnkontakt, das Auto macht Lust auf lange und zügige Fahrten durch Kurven und über Pässe.