Man muss nicht Romeo heißen, um sich in dieses Julchen zu vergucken. In der gut bestückten, aber auch ein wenig eintönigen Kompaktklasse zeigt die Giulietta von Alfa Romeo ein Gesicht, das man sich mit dem ersten Blick merkt und nicht so schnell wieder vergisst. Im Fahrtest machte der 147- Nachfolger, der nach 25 Jahren Pause wieder den Namen Giulietta aufgreift, auch in Sachen Technik und Alltagstauglichkeit einen guten Eindruck. Muss er allerdings auch – denn bei den durchaus üppigen Preisen konkurriert er eher mit Kompakten aus Ingolstadt und München als mit den Modellen aus Wolfsburg und Rüsselsheim.
4,35 Meter lang ist die Giulietta und immerhin 1,80 Meter breit. In der ersten Reihe sitzt der Alfista dann auch sehr komfortabel auf gut geformten Sitzen, hat ausreichend Luft um sich herum und freut sich über ein hochwertig gestaltetes Interieur mit sinnvoll und
logisch platzierten Instrumenten.
In der zweiten Reihe sieht es ein wenig anders aus. Da sorgt die fallende Dachlinie dafür, dass sich groß gewachsene Passagiere nicht so recht wohlfühlen. Auch die Fenster sind klein geraten. Immerhin: Dank des ansehnlichen Radstandes von 2,63 Metern finden die Beine angemessen Platz. Im Fond kann man mitfahren, man sehnt sich aber nicht danach. Vielleicht auch deshalb haben die Ingenieure wie schon im 147 außen die Griffe der hinteren Türen so geschickt verborgen, dass mancher den Wagen für einen Dreitürer hält. Unter der Haube des Testwagens steckte der Zwei-Liter-Turbodiesel mit 125 kW. Der Motor sorgt für reichlich Fahrspaß. 170 PS auf 1,4 Tonnen Fahrzeuggewicht sind eine Hausnummer. Auch das Drehmoment von 350 Newtonmetern lässt sich sehen. Das erlaubt Zeiten von weit unter zehn Sekunden für den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h. Weniger wichtig: Seine Höchstgeschwindigkeit erreicht der Wagen bei 218 km/h.
Die ganze Kraft bringt die Giulietta sportlich und dynamisch, aber auch elegant und sicher auf die Straße. Der Wagen gibt gute Rückmeldungen von der Straße, die Lenkung ist direkt, die Federung straff. Doch das lässt sich – in Maßen – verändern.
ie Fahrdynamikregelung DNA lässt dem Chauffeur die Wahl zwischen „Dynamic“, „Normal“ und „All Weather“. Verändert werden dabei Motor- und Lenkungscharakteristik,
Differenzialsteuerung und Stabilitätskontrolle. Und vermutlich auch das Fahrverhalten des Piloten. Was der spätestens beim Tanken merkt. Im genormten Fahrzyklus ist Alfa auf einen überzeugenden Wert von 4,7 Litern Diesel auf 100 Kilometer gekommen. Wenn der Fahrer zurückhaltend bleibt, rückt das tatsächlich in den Bereich des Möglichen. Aber sind Fahrdynamikregelung und Fahrer erstmal auf „dynamisch“ justiert, gerät dieser Wert deutlich aus dem Sichtbereich.
Fazit: Motor gewohnt gut,Alfas Selbstzünder setzen auch knapp 20 Jahre nach der Entwicklung der Common-Rail-Technik noch Maßstäbe in Sachen Dynamik.
| Alfa Romeo Giulietta 2.0 JTDM 170 Tourismo | Werte |
|---|---|
| Hubraum ccm | 1956 |
| Zylinder | 4 |
| Leistung kw/PS | 125/170 |
| Drehmom. Nm | 350 |
| Tempo km/h | 218 |
| Beschleun. 0-100 | 8,0 |
| Kraftstoff | Diesel |
| Verbrauch l/100 km | 4,7 |
| Co2 g/km | 124 |
| Schadstoffkl. | Euro 5 |
| Kofferraum l | 350-1045 |
| Vers. HP/VK/TK | 18/23/22 |
| Preis € | 27.100 |
Stand 19.02. 2011